Mittelalterliche Action-Adventures gibt es viele, aber Ertugrul of Ulukayin will mehr sein als nur ein weiteres Schwertschwinger-Spiel. Entwickelt von Tekden Studio, das vor allem für die beliebte TV-Serie Diriliş: Ertuğrul bekannt ist, nimmt es uns mit auf eine Reise ins 13. Jahrhundert – eine Zeit, in der mongolische Invasoren alles niederbrannten, was ihnen in die Quere kam. Als Ertuğrul, Anführer des Kayı-Stammes, müssen wir uns gegen Feinde behaupten, unsere Leute beschützen und nebenbei ein paar Mythen aufdecken, die tief in der türkischen Geschichte verwurzelt sind.
Das Spiel ist im Early Access für PC über Steam und den Epic Games Store verfügbar, was bedeutet, dass es noch nicht final ist, aber schon einen ordentlichen Vorgeschmack auf das bietet, was da kommen soll. Die Frage ist nur: Ist Ertugrul of Ulukayin eine epische Saga, die uns fesselt, oder doch nur ein ambitioniertes Mittelalter-MMO, das in der Vergangenheit stecken bleibt? Ziehen wir los und finden es heraus.
Gameplay – Schwert raus, Mongolen weg
Wer auf tiefgehende Action-RPG-Mechaniken steht, bekommt hier eine ordentliche Ladung mittelalterlicher Klopperei serviert. Ertugrul of Ulukayin setzt auf ein Third-Person-Kampfsystem, das sich irgendwo zwischen Assassin’s Creed und Kingdom Come: Deliverance einsortiert. Heißt: Kein stumpfes Button-Mashing, sondern gezielte Angriffe, Blocks und Konter, die durchaus Timing erfordern. Gerade in den Duellen gegen stärkere Gegner merkt man schnell, dass blindes Draufhauen wenig bringt – wer nicht auf seine Ausdauer achtet, bekommt schneller einen mongolischen Speer in den Bauch, als ihm lieb ist.

Zusätzlich gibt es ein Fertigkeitensystem, mit dem man Ertuğruls Kampfkünste verbessert. Wer lieber mit einem massiven Zweihänder kämpft, kann das tun, während andere vielleicht auf Geschwindigkeit und schnelle Klingen setzen. Neben dem Kämpfen spielt auch Erkundung eine große Rolle. Die Welt ist nicht riesig, aber dafür voller kleiner Details, die zum Entdecken einladen.
Story – Blut, Sand und alte Schatten
Ertuğrul hat wirklich keinen leichten Tag erwischt. Sein Stamm kämpft ums Überleben, sein Bruder ist verschwunden und während er versucht, die letzten Verbündeten zusammenzuhalten, rücken die Mongolen immer näher. Doch je tiefer er in die Intrigen eintaucht, desto mehr merkt er, dass hinter all dem Chaos mehr steckt als bloße Eroberung. Manche Geschichten, die am Lagerfeuer erzählt werden, könnten mehr Wahrheit enthalten, als ihm lieb ist.

Während die Welt um ihn herum aus Blut und Stahl besteht, gibt es immer wieder Momente, in denen etwas anderes durchschimmert. Alte Träume, die sich zu real anfühlen, unheilvolle Zeichen am Himmel, geflüsterte Namen, die niemand auszusprechen wagt. Die Grenzen zwischen Mythos und Wirklichkeit sind fließend, und genau das macht Ertuğruls Reise so spannend. Man weiß nie, ob das nächste Problem von einem mongolischen Krieger oder von etwas kommt, das nie hätte erwachen sollen.
Kampfsystem – Wer blind zuschlägt, liegt schneller im Dreck
Hier gibt’s kein stumpfes Draufhauen. Ertugrul of Ulukayin will, dass du mitdenkst. Schwertkämpfe sind hart und verzeihen keine Fehler. Ein Schlag zu viel, ein Block zu spät – und schon liegst du auf dem Boden, während dein Gegner zufrieden das Blut von seiner Klinge wischt.

Jede Waffe hat ihren eigenen Rhythmus. Ein Säbel ist schnell, aber hat wenig Wucht. Ein Zweihänder haut rein, aber lässt dich offen für Konter. Wer glaubt, einfach durchzuwalzen, wird spätestens beim ersten stärkeren Gegner aufwachen. Hier muss jeder Treffer sitzen, sonst wird’s eng. Und genau das macht die Kämpfe so gut – wenn du gewinnst, dann weil du es kannst, nicht weil das Spiel es dir leicht macht.
Welt & Erkundung – Staub, Legenden und der Geruch von Krieg
Hier gibt’s nichts geschenkt. Keine leuchtenden Questmarker, keine NPCs, die dir mit freundlicher Stimme ihre Lebensgeschichte erzählen. Die Welt von Ertugrul of Ulukayin ist alt, verbraucht und voller Spuren von dem, was war. Überall liegen Überreste vergangener Kämpfe. Ein niedergebranntes Dorf, das niemand mehr betreten will. Ein Lager, in dem noch Essen im Topf ist, aber keine Menschen mehr.

Du läufst nicht einfach von Punkt A nach Punkt B. Du stolperst über Dinge, die Fragen aufwerfen. Ein verlassener Karren mitten auf der Straße – die Pferde verschwunden, das Gepäck aufgeschlitzt. Keine Quest dazu. Keine Notiz, die dir alles erklärt. Nur dieser Ort und die leise Ahnung, dass hier irgendwas passiert ist, das du vielleicht besser nicht wissen willst.
Technik & Atmosphäre – Ein dreckiges, lebendiges Schlachtfeld
Hier glänzt nichts. Kein Hochglanz-Mittelalter, keine perfekten Landschaften, keine hübschen Effekte, die dich ablenken sollen. Stattdessen liegt Staub in der Luft, alte Banner hängen zerfetzt im Wind, und jede Ecke dieser Welt wirkt so, als hätte sie die Hölle gesehen. Wenn du durch ein niedergebranntes Dorf reitest, riechst du den Rauch fast noch in der Nase. Die Sonne taucht die Felder nicht in warmes Gold, sondern in ein fahles Licht, das eher an den letzten ruhigen Moment vor einer Schlacht erinnert.

Und dann der Sound. Metall klirrt, der Wind pfeift durch zerfallene Mauern, irgendwo in der Ferne schlägt ein einzelnes Kriegstrommeln. Deine Schritte hallen in engen Gassen nach, und manchmal ist das schlimmste Geräusch genau das, was du nicht hörst. Die Entwickler haben sich hier richtig ins Zeug gelegt, um eine Atmosphäre zu schaffen, die nicht nur gut aussieht, sondern sich auch richtig anfühlt.
Fazit – Ein raues Abenteuer mit Ecken und Kanten
Ertugrul of Ulukayin ist kein Spiel für Leute, die sich berieseln lassen wollen. Es verlangt, dass du dich auf seine Welt einlässt, dass du seine Kämpfe ernst nimmst und dass du akzeptierst, dass es dir nicht alles auf dem Silbertablett serviert. Die Kämpfe sind hart, die Welt ist unbarmherzig, und die Geschichte gibt dir nicht immer sofort alle Antworten. Aber genau das macht den Reiz aus.
Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Early-Access-Version hat hier und da noch technische Macken, die KI benimmt sich manchmal seltsam, und nicht jede Animation sitzt so, wie sie sollte. Aber was Tekden Studio hier geschaffen hat, ist ein Spiel mit Seele. Es fühlt sich roh und lebendig an, so als hätte es wirklich etwas zu erzählen. Wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen, bekommst du ein Erlebnis, das sich von den üblichen Mittelalterspielen angenehm unterscheidet.