Ubisoft hat’s mal wieder getan: Neues Assassin’s Creed, neue Open World, noch mehr epische Samurai-Vibes. Aber diesmal versuchen sie es anders – zumindest ein bisschen. Shadows will riesig sein, aber nicht mehr so vollgestopft mit „Hier, mach das noch schnell, bevor du weitermachen darfst“-Kram. Also weniger „Boah, meine Map sieht aus wie eine To-Do-Liste“, mehr „Guck mal, ich hab was Cooles entdeckt und kann’s einfach machen“. Klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein.
Die letzten großen AC-Titel (Origins, Odyssey, Valhalla) hatten ja so eine kleine Identitätskrise. Assassin’s Creed war plötzlich ein 300-Stunden-RPG mit Loot-Spirale, aber das eigentliche Assassinen-Ding? Das ging irgendwo zwischen Schatzkisten und EXP-Grind verloren. Dann kam Mirage, kleiner, fokussierter, mehr so wie früher. Shadows nimmt jetzt die große Welt von Origins & Co, aber packt sie nicht mehr so aggressiv voll mit Zeug, das dich ständig von der Story ablenkt. Die Map fühlt sich weniger wie ein Freizeitpark an und mehr wie eine Welt, in der du einfach Sachen entdeckst, ohne dass ein riesiges Interface dir ins Gesicht schreit, was du als Nächstes tun musst.
Zwei Helden, zwei Spielstile – und keins davon fühlt sich aufgesetzt an
Richtig spannend wird’s mit den beiden spielbaren Charakteren: Naoe, die schnelle, tödliche Shinobi, und Yasuke, der wandelnde Panzer in Samurai-Rüstung. Ubisoft hatte ja schon öfter die Idee mit mehreren spielbaren Helden, aber meistens fühlte sich das nach „Copy-Paste mit anderer Rüstung“ an. Hier nicht. Die beiden spielen sich komplett unterschiedlich – und das ist echt gut so.
Naoe ist die ultimative Stealth-Maschine. Schnell, leise, mit Grappling Hook unterwegs wie eine Assassinen-Variante von Spider-Man. Sie kann über Dächer huschen, Feinde aus dem Dunkeln erledigen und sich an Orten verstecken, die du früher für reine Deko gehalten hast. Endlich fühlt sich das „Verstecken in Schatten“-Ding auch wirklich nach einem Gameplay-Element an und nicht nur wie ein nettes Gimmick.

Yasuke dagegen? Der Typ IST das Chaos. Keine versteckten Klingen, keine Schatten – nur fette Schwerter und rohe Gewalt. Während Naoe einen ganzen Tempel infiltriert, schleicht und lautlos Leute ausschaltet, geht Yasuke einfach durch die Fronttür und metzelt sich den Weg frei. Man kann also wirklich entscheiden, wie man spielen will, ohne dass es sich anfühlt, als würde einem das Spiel in eine bestimmte Richtung drücken.
Was cool ist: Du musst nicht ständig zwischen beiden wechseln. Klar, es gibt Story-Momente, in denen es vorgeschrieben ist, aber ansonsten kannst du den Großteil des Spiels mit deinem Lieblingscharakter verbringen. Also ja, du kannst Shadows fast komplett als Stealth-Assassinen-Spiel durchzocken – oder als Samurai-Schwertkampf-Simulator.

Endlich wieder ein richtiges Stealth-Assassin’s Creed
Die letzten AC-Teile waren ja eher „Mittelalter-Witcher mit Parkour“, aber Shadows bringt Stealth endlich wieder dahin, wo es hingehört: ins Zentrum des Spiels. Das neue Schatten-System sorgt dafür, dass du wirklich im Dunkeln verschwinden kannst, ohne dass ein Gegner dich trotzdem aus fünf Kilometern Entfernung sieht. Du kannst dich auf den Boden legen und unter Gebäuden durchrobben, um neue Wege zu finden – was nicht nur cool aussieht, sondern dir auch noch mehr Möglichkeiten gibt, Gegner auszutricksen.
Und dann kommt das Wichtigste: Die Hidden Blade ist wieder OP – so, wie sie sein sollte. Keine „Sorry, dein Ziel ist Level 50, du brauchst erst ein legendäres Schwert mit +20 auf Ermordung“. Wenn du aus dem Schatten kommst und jemanden mit deiner Klinge triffst, ist er weg. Punkt. Dieses „Oh nein, du hast zu wenig Schaden gemacht“-Ding war in den letzten Spielen einfach nur frustrierend – jetzt kannst du wieder der lautlose Killer sein, der AC früher so besonders gemacht hat.

Kämpfe? Joa, immer noch nicht der Hit
Assassin’s Creed und gutes Kampfsystem – das wird wohl keine große Liebesgeschichte mehr. Ja, es ist besser als früher, aber immer noch nicht wirklich gut. Die Duelle gegen einzelne Gegner? Läuft. Blocken, Parieren, Kontern – fühlt sich solide an. Aber sobald mehrere Gegner auftauchen, geht’s wieder bergab. Die Feinde haben immer noch die Angewohnheit, nacheinander anzugreifen, als würden sie höflich auf ihren Zug warten. Und wenn du versuchst, ein sauberes Duell hinzulegen, wirst du trotzdem oft aus dem Nichts von Offscreen-Gegnern unterbrochen, die dir in den Rücken stechen.
Es ist nicht schlechter als in den Vorgängern, aber halt auch kein großer Fortschritt. Wer Yasuke spielt, kann sich mit seiner überlegenen Stärke halbwegs durchboxen, aber als Naoe solltest du es wirklich vermeiden, erwischt zu werden, weil das Kampfsystem einfach nicht darauf ausgelegt ist, dass du in offenen Fights glänzt.

Open-World ohne Questmarker-Overkill – endlich mal nicht nervig
Es gab mal eine Zeit, da waren AC-Maps komplett zugemüllt. Du hast sie aufgemacht und sofort 100+ Symbole gesehen, die dir alle irgendwas aufdrücken wollten. Shadows geht da einen anderen Weg. Die Welt ist groß, aber nicht überladen.
Wenn du eine Mission hast, wird kein fetter Wegpunkt auf der Map angezeigt. Stattdessen bekommst du Hinweise darauf, wo du suchen musst. Klingt erst mal umständlich, aber nach ein paar Stunden merkt man, dass es sich richtig gut anfühlt, weil du die Umgebung wirklich erkundest, statt nur einer Linie auf dem Bildschirm zu folgen.

sDazu kommt, dass die Welt einfach verdammt schön aussieht. Feudales Japan wurde detailverliebt nachgebaut, die Jahreszeiten wechseln dynamisch, und es gibt endlich wieder richtige vertikale Level-Designs mit hochgelegenen Festungen und verschachtelten Städten. Der Nachteil? In Performance-Modus (60 FPS) poppen Blätter und Bäume gerne mal ins Bild, während der 30 FPS-Modus stabiler läuft, aber eben nicht so smooth ist. Wer einen Mittelweg will, nimmt die 40 FPS-Option – die ist wahrscheinlich der beste Kompromiss.
Fazit: Assassin’s Creed ist endlich wieder ein richtiges Assassin’s Creed
Shadows ist das erste Assassin’s Creed seit langer Zeit, das sich wieder wie ein echtes AC anfühlt – wenn man es so spielt. Wer Stealth liebt, wird mit Naoe die beste AC-Erfahrung seit Jahren haben. Wer lieber als Samurai metzelt, kann das auch tun, aber wird dabei feststellen, dass das Kampfsystem noch immer der schwächste Teil des Spiels ist.
Die Open World wurde sinnvoll entschlackt, die Story wird nicht mehr von nervigen Fetch-Quests ausgebremst, und die neue Stealth-Mechanik ist endlich das, was wir seit Jahren wollten. Assassin’s Creed Shadows hat noch ein paar Ecken und Kanten, aber für jeden, der das klassische Assassinen-Feeling vermisst hat, ist es endlich wieder ein Spiel, das diesem Namen gerecht wird.
