Auf der letzten Gamescom durfte ich bereits einen ersten Blick auf Karma: The Dark World werfen. Begleitet von einem der Entwickler wurde ich in diesen Fiebertraum von Spiel geworfen. Nach der Session hatte ich Fragen. Viele. Aber war auch gespannt, was das nun werden wird. Viele dieser Fragen konnte ich nun beantworten. Aber auch alle?
Langsamer Einstieg
Das chinesische Entwicklerteam beschreibt ihr Spiel als Kojima-Lynch-esk. Das beschreibt es denke ich ganz gut. Doch starten wir mit der Prämisse, der Grundstory des Spiels. Jedenfalls dem, was wir dafür halten. 1984. Wir erwachen in einem Krankenzimmer. An unserem linken Arm hängen irgendwelche Ports und Schläuche. Wir reißen die raus und eine schwarze Flüssigkeit spritzt aus dem Arm. Läuft danach noch weiter heraus. Wir schauen uns im Zimmer um, schauen in den Spiegel. Irgendwie menschlich, aber so ganz fit wirken wir nicht. Ein Blick aus dem Fenster lässt uns irgendwie erahnen, dass es sich um eine Simulation handelt. Die Welt flackert, Bäume, Vögel etc. verschwinden kurz, tauchen wieder auf?

Wir erhalten den Auftrag den Raum zur Kalibrierung zu verlassen. Machen wir und die Spieleinstellungen sind nun in verschiedene Räume aufgeteilt. Also ist das hier erst mal ein Optionsmenu und ein Tutorial. Nicht schlecht gemacht. Wir können das Spiel also nun steuern und haben Helligkeit/HDR eingestellt. Die Lautstärke der verschiedenen Audioquellen auch. Dann noch den Sichtbereich. Fertig.
Weiter gehts und hier stimmt doch wieder was nicht. Menschen eingebuddelt in Erde in kleinen Folientunneln? Einer ist „entkommen“, lebt, aber stirbt auch direkt darauf. Wir sollen den Leichnahm entsorgen. Ist nicht der erste. Ein Berg Leichen liegt da schon rum. Alles ist sehr heruntergekommen. Aber nun dürfen wir den Transitionroom betreten.
Ein Mann im Rollstuhl begrüßt uns. Keine Zeit irgendwas zu erklären, erzählt er uns, wir sollen uns setzen. Der Mann kann übrigens laufen. Schnallt uns an den Stuhl der im Wasser steht. Wir unterhalten uns, sind sichtlich verwirrt. Daniel heißen wir wohl und haben aber alles vergessen. Sind nicht der erste, aber irgendwie besonders. Vielleicht. Das ganze Gespräch wirft bereits hier massig Fragen auf. Auch in diesem Raum überall diese Leichen.
Doch los gehts. Wir tauchen rückwärts ab. Da Intro spielt. Dann wachen wir in einem riesigen Areal auf. Doch wir haben nur einen schmalen Pfad. Wir folgen und können eine Kassette einem kleinen Altar entnehmen. Vom alten Mann haben wir einen Walkman bekommen. Wir nutzen ihn.
Die alternative DDR in Karma
Wir erwachen in 1968. Sind scheinbar ein Kind. Gerade in der Firma angekommen und nun das „frische Blut“. Scheinbar wächst man normal auf bis an einen bestimmten Punkt. Dann geht es in die Firma. Ob das so allen Kindern passiert? Scheinbar testet man uns noch fix auf übernatürliche Fähigkeiten, die dieses Kind aber nicht hat. 8490 ist die zugeteilte ID. Wir sind Daniel McGowen und werden Roam Agent der Levianthan Corp. Nach noch ein paar Tests springen wir auch in diese Zeit und Persona. 1976, 8 Jahre später.

Wir leben in einer alternativen Version der DDR. Der Staat kontrolliert alles unter Zuhilfenahme einer KI namens MOTHER. Unser erster Fall behandelt den Arbeiter Sean Mehndez. Dieser hat sich verbotenerweise einem Rohrpostsystem genähert, die KI hat dies festgestellt und Sean verhaften lassen. Mehr wissen wir nicht. Da ist noch von einem Vorfall die Rede.
Sean’s Arbeitsplatz ist im Winston Forschungsinstitut, wo wir dann auch von Fred Ebert empfangen werden, allerdings fühlen wir uns eher unwillkommen. Doch wir holen uns am dortigen Rohrpostsystem unseren genauen Auftrag ab und gehen dann los, um in Seans Büro die Ermittlung zu starten.
Da kommt man aber erst mal gar nicht so einfach hin. Der Strom ist aufgefallen, die Türe verschlossen. Außerdem hat Daniel keine Freigabe zum Hausmeisterraum. Alles sehr komisch. Mit ein bisschen Rätselgeschick aber schaffen wir erst eine Schublade zu öffnen, dann mit der neuen ID-Card den Hausmeisterraum.

Durch einen Lüftungsschacht kommen wir in den nächsten Bereich und können die Türe von innen aufschließen. Strom kriegen wir auch wiederhergestellt und können uns im Büro umschauen. An mehren Arbeitsplätzen erhalten wir erstmals ein bisschen Background-Geschichte und Hinweise für weitere kleinere Rätsel. Doch dann geht es auf einmal rund. Wir sehen einen Geist? Eine Person? Wir folgen ihr und landen mitten in einem Albtraum.
Was ist Realität?
Der Albtraum scheint das Leben von Sean Mehndez zu sein. Wir sehen, dargestellt durch Schaufensterpuppen grob zusammengefasst, was ihm so widerfahren ist. Es ist schwierig zu beschreiben, besonders, wenn man nicht aus Versehen auf späteres Wissen hinweisen möchte.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Story in Karma nicht linear erzählt wird. Die Zeit springt an sich eh schon. Mal hier mal da. Dazu „Roamen“ wir als Roam-Agent in die Erinnerungen von Verdächtigen. Wir tauchen in sie ein und erleben sie nach. Wie man es aus Assassins Creed und ähnlichen Games/Filmen kennt. Trauen können wir unseren Sinnen aber von Anfang bis Ende nicht. Laufen auch überall Menschen herum, die aber TV-Geräte als Köpfe haben?! What? Ich verrate hier gar nichts. Es ist zu spannend alles zu erfahren, aber es wird nicht alles klar. Im ersten Durchlauf sowieso nicht.

Ich spielte das Game zweimal und habe mit das Digital Art Book komplett durchgelesen und -geschaut. Das lohnt sich auch wirklich. Gerade wegen der grandiosen Optik des Spiels. Hier wird viel mit optischer Opulenz gearbeitet. Wunderschöne Szenerien, denen man nicht immer trauen kann, aber die gerade nochmal zum Ende des Spiels an Schönheit gewinnen. Mit viel Liebe zu Details wurde hier eine Welt erschaffen, die durch die Grundidee des Spiels die Freiheit hat, normale Wege zu verlassen. In der Geschichte wird viel mit Symbolik gearbeitet.
Begleitet beim Durchschauen hat mich der tolle Soundtrack, der einen wieder in Teile des Spiel geworfen hat. Die Klänge sind so unterschiedlich. Teils erinnerten mich manche Stücke an Serien wie LOST.

Der Staat im Hintergrund
Die Ästhetik ist wundervoll gewählt. Diese Mischung als Alt und Neu. Einem angestaubten Retro-Charme, der aber durch Hightech aufgemischt wird. Alles passt gut ins Setting, angesiedelt in eine DDR-Sowjet-Ära, die eben nicht endete und sich ganz anders entwickelte. Eine konsequente Fortsetzung der Unterdrückung und Überwachung mit neuer Technik, teils übernatürlicher Technik. Die Menschen werden mit Hilfe von Drogen zu willenlosen Sklaven gemacht. Ihr Geist wehrt sich teils dagegen, doch scheint der Staat immer zu gewinnen.
Beständig erinnert einen alles daran, dass der Staat über allem steht. Man nur ein einzelnes Zahnrad im System ist. Jeder ist ersetzbar. Handelt man entgegen der Regeln, hagelt es sofort Strafen. Man wird versetzt. Bekommt Privilegien entzogen. Dann ist es aus mit Familienplanung. Alles wird kontrolliert und fremdbestimmt. Wehe man handelt nicht so.

Wer hier wen kontrolliert wird nicht ganz klar. Ist es das Regime? Steht über allem eine Leviathan Corp oder ist sie nur Mittel des Staates?
Ihr müsst dieses Geheimnisse lösen. Für Daniel. Für Sean. Für EUCH. Ich jedenfalls konnte nicht anders, als nochmal ins Spiel. Ich saß auf einmal da und das Spiel war zu Ende. Ich hatte mehr Fragen als Antworten. Aber ich konnte das alles auch gar nicht wirklich erfassen. In der Geschwindigkeit in der ich durch das Spiel bin. Unterbrochen nur von kleinen Rätseln, kam ich jedenfalls gut durchs Spiel durch. Nur bei einem Rätsel gegen Ende hatte ich Probleme und es hat mich einige Fingernägel gekostet. Aber es war lösbar. Ihr schafft das auch.
Kernelement ist die Geschichte und eben die Bilder die sie erzählen. Kommt wirklich Horror auf? Ein bisschen, aber es herrscht nicht vor. Manchmal wird es plastisch. Aber das nur in geringen Dosen.

Der Horror ist in euren Köpfen. Wie euer Geist versucht zu erfassen, was ihm dort gezeigt wird. Wie ihr euch vorstellt, in dieser Welt zu leben und zu sein. Wie viele Bürger da eben leben. Genauer die Fernsehgeräte tragenden Personen in diesem Spiel. Die TV-People.
Technik
Werden wir vor Abschluss technisch. Grafisch macht das Karma einiges her. Selbst auf meiner Gurke sah das Game klasse aus. Zu Hilfe eilt einem nicht ein Upscaler, nicht zwei, nein, drei Upscaler sind verfügbar. So kann jeder den für seine Grafikkarte passenden auswählen. Je mehr Leistung euer Rechner mitbringt, desto seltener bricht die FPS dann mal ein, was bei mir aber auch nicht allzu oft der Fall war. Das Spiel lief wunderbar.
Durch die ebenfalls getestete PS5 Version aber weiß ich auch, dass es einfach noch schöner geht. Karma profitiert also auch von guter Hardware. Durch die verfügbare Demo könnt ihr das Spiel aber auch eurem System auch vorher mal testen.
Der Sound ist wie bereits erwähnt sehr eindringlich. Die Szenerie ist durch passende Musikstücke untermalt. Rätsel können auch akustische Elemente haben und die Geschichte wird auch akustisch erzählt.

Die Steuerung geht easy von der Hand. KARMA steuert sich ganz normal. Hier besonders ist quasi nur, dass ihr mit R2/RT alles mögliche aufhebt und dann mit L2/LT wieder ablegt bzw. einsteckt.
Die Lore zu greifen wird hart
KARMA: The Dark World ist eher ein ruhiges Game. In ein paar Szenen, wird es mal hektisch. Aber das ist echt eher die Ausnahme. Stimmung wird hier anders aufgebaut. Eher ruhig und bedrückend. Die Rätsel sind allesamt in die Umgebung bzw. das jeweilige Setting eingefasst. Einzig die Rätseldosen stechen hervor. Die sind überall zu finden und beinhalten ein Logikrätsel. Nach richtiger Lösung, ihr habt nur einen Versuch, offenbart sich immer ein bisschen Lore. Aber steigt da erst mal jedes mal durch.
