Stell dir vor, du würdest Animal Crossing mit Rust kreuzen. Also, du fängst entspannt Fische, pflanzt ein paar Karotten und dekorierst deine kleine Inselhütte – und plötzlich steckt dir jemand eine Waffe ins Gesicht und nimmt dir alles weg. Genau das ist Longvinter. Ein Spiel, das dich mit süßer, bunter Grafik täuscht und dann eiskalt in eine Welt wirft, in der du jederzeit ausgeraubt werden kannst. Klingt nach einer wilden Mischung? Ist es auch.
Entwickelt vom finnischen Studio Uuvana Games, gibt dir Longvinter eine offene Insel-Sandbox, in der du tun und lassen kannst, was du willst – solange dich niemand daran hindert. Das Spiel sieht auf den ersten Blick aus wie eine harmlose Life-Sim, aber wenn du nicht aufpasst, verlierst du deinen ganzen Fortschritt schneller, als du „Kooperation“ sagen kannst.
Von friedlichem Angeln zur brutalen Realität
Dein Abenteuer beginnt idyllisch. Sanfte Wellen, grüne Wiesen, friedliche Camps – die perfekte Umgebung für ein entspanntes Farming-Spiel, oder? Du siehst andere Spieler:innen herumlaufen, wie sie ihre Ernten verkaufen, an Flüssen sitzen und Fische fangen oder ihre Lager ausbauen. Alles wirkt harmonisch, bis du das erste Mal ausgeraubt wirst.
Denn das ist der Twist: Longvinter ist ein Survival-Spiel. Und während du denkst, du spielst hier einen digitalen Camping-Simulator, plant vielleicht gerade jemand, dir all dein Zeug abzunehmen. PvP ist jederzeit aktiv. Das bedeutet, dass jeder, dem du begegnest, ein potenzieller Verbündeter – oder ein Feind ist.

Das führt zu der Frage: Willst du nett sein? Oder nimmst du, was du brauchst? Klar, du kannst versuchen, friedlich zu spielen und auf Kooperation zu setzen. Oder du nimmst dein Schicksal selbst in die Hand, bewaffnest dich und verteidigst, was deins ist – oder klaust, was du willst.
Bauen, craften, überleben – oder sterben
Das Spiel bietet dir die Freiheit, dein eigenes Lager zu errichten, es mit Werkzeugen und Möbeln auszustatten und ein friedliches Leben aufzubauen. Wenn du willst, kannst du Handel treiben, jagen, angeln, farmen oder dich ins Crafting stürzen.
Aber seien wir ehrlich: Niemand ist hier wirklich sicher. Während du fröhlich Karotten anbaust, könnte ein anderer Spieler bereits in einem Busch sitzen und warten, bis du dich umdrehst.
Es gibt keine festen Safe Zones – das bedeutet, dass dein Camp jederzeit überfallen werden kann. Wer sich also auf ein Leben als friedlicher Händler oder Farmer einlässt, sollte sich gut absichern. Mauern bauen, Lager gut verstecken – oder einfach lernen, schneller zu rennen als die anderen.

Und wenn dir das zu langweilig ist? Dann schließ dich einer Gruppe an, die aktiv Jagd auf andere macht. Longvinter gibt dir alle Freiheiten – aber auch alle Konsequenzen.
Täuschend süß, aber brandgefährlich
Die Grafik von Longvinter ist knallbunt, minimalistisch und sieht aus wie eine Mischung aus Animal Crossing und Don’t Starve. Alles wirkt niedlich, mit einer simplen, fast schon handgezeichneten Ästhetik. Aber genau das ist die Falle.
Denn so friedlich die Welt aussieht – du wirst hier sterben. Oft. Die hübsche Optik lullt dich in Sicherheit, nur damit du dann von jemandem mit einer Schrotflinte um deine Fische erleichtert wirst. Die Diskrepanz zwischen Look und Gameplay ist einer der cleversten Aspekte des Spiels.

Die Community – zwischen Kooperation und kompletter Anarchie
Wie in jedem Online-Survival-Spiel steht und fällt alles mit den Spieler:innen. Longvinter könnte ein harmonischer Ort sein. Aber das ist er nicht.
Ja, es gibt friedliche Händler:innen, die einfach nur ein kleines Imperium aufbauen wollen. Aber es gibt eben auch Gangs, Cheater und Trolls, die nur darauf warten, dir den Tag zu ruinieren. Die Entwickler arbeiten daran, das PvP zu balancen, aber in einem Spiel, das so sehr auf unkontrollierte Spielerinteraktionen setzt, kann es schnell frustrierend werden.
Dazu kommen technische Probleme, die in den ersten Monaten nach Release für Ärger sorgten. Server waren überfüllt, Verbindungsabbrüche häuften sich, und an manchen Tagen konnte man sich kaum einloggen. Mittlerweile haben die Entwickler nachgebessert, aber es gibt immer wieder Phasen, in denen Serverprobleme das Spielerlebnis trüben.


Fazit: Perfekte Mischung oder purer Frust?
Longvinter ist ein Experiment – und nicht für jeden. Wer ein entspanntes Sandbox-Spiel erwartet, wird wahrscheinlich nach wenigen Stunden die Lust verlieren (oder wütend ragequitten, weil ihm schon zum dritten Mal alles geklaut wurde). Wer aber den Mix aus Farming-Sim und gnadenloser Survival-Action feiert, könnte hier sein neues Lieblingsspiel finden.
Wenn du bereit bist, dich auf ein Spiel einzulassen, das dich immer wieder austrickst, dich belügt und dich dann trotzdem nicht loslässt, dann probier’s aus. Vielleicht wirst du ein friedlicher Fischer – oder der meistgefürchtete Bandit der Insel. Longvinter gibt dir die Wahl.